Wochenbett ist anstrengend – lassen Sie es sich dabei gut gehen!

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schmutziges Geschirr

Wenn Sie als Mutter im Wochenbett ankommen, dann haben Sie eine Schwangerschaft und eine Geburt hinter sich. Sie brauchen Erholung und zugleich auch Support für die weiteren körperlichen Veränderungen – für Ihren Umbau auf der ganzen Linie.

Deshalb sorgen Sie bitte früh genug dafür, dass das Thema «Unterstützung im Wochenbett» gehört wird und einen Platz bekommt auf der gemeinsamen To-Do-Liste. Bestehen Sie auf Verstärkung Ihres Versorgungskreises. Verlassen Sie sich nicht auf die Beteuerungen des Partners oder der Partnerin, ohne fremde Hilfe alles im Griff zu haben. Sie selbst werden nochmals anders sein als vorher, Ihr Baby wird ausserhalb Ihrer Gebärmutter viele Anpassungen zu meistern haben, Ihr Familiensystem wird endgültig umgekrempelt.

 

Ihr Wochenbett beginnt in der Schwangerschaft

Vielleicht denken Sie, bei Ihnen wird alles glatt laufen. Vielleicht haben Sie auch noch keine Vorstellung davon, was das Leben mit einem Neugeborenen für Sie bedeutet. Auf jeden Fall werden Sie intensivsten Gefühlen erleben, noch nie dagewesene Höhen erklimmen und in unvorstellbare Tiefen steigen. Die Herausforderungen begegnen Ihnen auf vielen Ebenen. Grundsätzlich sind Sie gerüstet dafür und Menschenmütter stehen diese weitere Anpassungssphase durch.

Aber sorgen Sie trotzdem vor: das aufgelaufene Schlafmanko, ein tiefer Blutzuckerspiegel, ein Stapel ungewaschener Wäsche oder Brösmeli auf dem Esstisch – manchmal ist etwas davon der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Krach gibt es wegen stehengelassenem, angekrustetem Geschirr, Haaren in der Dusche, aufgebrauchten Vorräten. Das tönt für Sie im Voraus vielleicht nicht so nachvollziehbar – Sie werden daran denken, wenn Sie drinstecken. Probieren Sie diese Situationen zu vermeiden, Sie haben Challenges genug in dieser Zeit. Gehen Sie deshalb auf Nummer sicher, bereiten Sie rechtzeitig in der Schwangerschaft Ihre Wochenbett-Unterstützung vor.

Grundsätzlich möchten die Menschen Ihrer Nähe etwas beitragen, wenn Ihr Kind geboren wird. Aber das kommt oft nicht so richtig rüber.

Denn die einen trauen sich nicht, ihre Unterstützung direkt anzubieten, andere wollen nicht stören oder auf gar keinen Fall aufdringlich sein – der Respekt (oder die Zurückhaltung) gegenüber dem Privatleben von Familien ist in der Schweiz sehr hoch. Manche können ihr Angebot nicht klar definieren und natürlich gibt es auch den Kreis derjenigen, die immer ganz spontan entscheiden, was sie beitragen wollen oder auch nicht.

Der Vollständigkeit halber zähle ich auch diejenigen auf, die zwar helfen würden, aber es einfach selber nicht merken, dass sie gefragt sein könnten. Und Personen, die momentan einfach einen ganz anderen Film am laufen haben.

 

Ihr Körper braucht Sie – Sie brauchen Ihren Körper

Nach der Geburt gehen die körperlichen Veränderungen weiter. Sie müssen sich einmal mehr anpassen in den nächsten neun Monaten. Ihr Körper und die Körperpflege werden nochmals einen anderen Stellenwert bekommen. Sie werden sich mit Körpersäften wie Wochenbett-Blutung und Muttermilch auseinandersetzen. In Ihrem Bauch werden die Organe an den angestammten Platz zurückwandern. Die grosse körperliche Öffnung für die Geburt wird in Ihnen nachhallen.

In dieser Phase geht es um Körperlichkeit pur: Sie brauchen ganz konkret und regelmässig Nahrung. Vor allem auch warme Mahlzeiten. Alle körperlichen Vorgänge müssen genährt werden bei Ihnen. Die Botschaft, die ein liebevoll verpackter Behälter mit etwas zum Aufwärmen oder ein von Hand zubereiteter Gratin rüberbringt, ist mehr als einfach «Essen». Sie als Mutter und Ihre Familie werden mit dieser Essensversorgung aber auch ganz persönlich darin unterstützt, ihre Aufgaben mit dem Baby zu stemmen und dessen Versorgung sicherzustellen.

Es ist nicht mehr selbstverständlich, dann eine Dusche zu nehmen, wenn Ihnen danach zumute ist. Sie werden duschen, wenn Sie Zeit dafür finden können. Die Zeit für sich selbst wird knapp und die Schlafressourcen auch. Ihre Partnerin, Ihr Partner soll Sie voll unterstützen. Zum Beispiel dann, wenn Sie duschen möchten oder müde sind. Dann, wenn Sie Hunger oder Durst haben. Und am besten, bevor Sie darum bitten müssen.

Sie müssen nicht alles selber schaffen  – auch wenn Sie das am liebsten möchten

Alle sind gefordert. Mit der Versorgung, mit der Umstellung, mit den eigenen Nöten, mit der Freude, mit der Verantwortung. Umso mehr, wenn schon Geschwister da sind.

Jede Person, die gibt, braucht etwas, was sie bekommt. Die Eltern versorgen das Baby, das Geschwisterkind – deshalb sollen auch die Eltern versorgt werden.

Eine Kleinfamilie hat nur wenig Ressourcen. Sie müssen aber deshalb nicht sofort in eine Gross-WG umziehen – stellen Sie sich mit Ihren Lieblingsmenschen Ihre Grossfamilie selber zusammen. Bauen Sie sich Ihren Versorgungskreis auf. Wenn keine Familienmitglieder in der Nähe sind, sorgen Sie für Ersatz. Ein Baby zu bekommen ist ein soziales Projekt und Sie werden liebe Menschen und zuverlässige Personen brauchen.

Bitte überlegen Sie sich, welche Menschen Sie im Moment gerne um sich haben. Wenn Sie an die Zeit nach der Geburt denken – wer tut Ihnen da immer noch gut? Was brauchen Sie von wem? Wer hat welche Stärken?  Was gefällt Ihnen besonders? Nehmen Sie es sich heraus, Ihre Bedürfnisse wahrzunehmen. Stellen Sie sich bitte Fragen auch in Bezug auf Ihre Wochenbett- Hebamme. Sie wird Ihnen sehr nahekommen und Sie in intimen Momenten begleiten.

Und lassen Sie sich inspirieren von schon bei Ihnen eingegangenen Angeboten: was möchten Sie noch mehr? Was geht gar nicht? Wo haben Sie Lücken und noch keine Unterstützung? Wie haben es andere Eltern aus Ihrem Bekanntenkreis gemacht? Wer ist in Ihrer Nähe?

Teilen Sie sich diese Vorbereitungen, auch der Vater des Babys oder der betreuende Elternteil soll schon während Ihrer Schwangerschaft etwas beitragen. Es ist nicht einfach Aufgabe der Mutter, alles zu organisieren. Hier können Sie dem berüchtigten Mental Load schon von Anfang an etwas entgegensetzen.

Eine grosse Erleichterung für alle auf beiden Seiten könnte eine Wunschliste oder verschiedene Gutscheine sein. Wie Sie Ihre eigene Wunschliste erstellen und also bereits Aufgaben verteilen können, finden Sie hier.  

 

Bild: t-online.de

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