Was ist ein Mutterkuchen?

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Auf jeden Fall handelt es sich hier um einen ganz besonderen Kuchen. Der Fachbegriff Plazenta heisst auch Kuchen, einfach auf Latein. Gemäss dem jeweiligen Zeitpunkt der Präsentation des Mutterkuchens wird auch von der Nachgeburt gesprochen.

Übrigens ist der Mutterkuchen ein Produkt des Babys. Schon bei der Einnistung des befruchteten Eis spezialisieren sich einige Zellen zu Plazentazotten, die sich mit der Schleimhaut der Gebärmutter verbinden. Hier wird das Austauschsystem mit dem mütterlichen Blut organisiert und laufend weiterentwickelt. Die Plazenta steuert also ihr eigenes Wachstum und muss parallel dazu immer ihre volle Funktionstüchtigkeit gewährleisten.

Über die Nabelschnur bleibt das Kind während der ganzen Zeit mit seinem Plazenta-Kuchen verbunden. Das heisst Schwangerschaft, Geburt und die ersten Minuten nach der Geburt sind durch die komplexen Funktionen des Mutterkuchens abgesichert. Abgesichert meint in diesem Fall laufend an die aktuellen Bedürfnisse adaptiert und somit jederzeit individuell für das Baby verfügbar.

 

Was kann ein Mutterkuchen?

  1. Nährstoffversorgung sicherstellen
  2. Sauerstoffzufuhr und Co2 Abtransport gewährleisten
  3. Abfallprodukte entsorgen
  4. Filterfunktionen übernehmen
  5. Barrieren installieren
  6. Schutzfunktion übernehmen
  7. Hormone produzieren
  8. Fruchtwasser produzieren

Die Plazenta sichert den Anschluss an den Blutkreislauf der Mutter. Deshalb braucht das Baby während der Schwangerschaft nicht alles selber zu organisieren. Vom Mutterkuchen her über die Blutgefässe in der Nabelschnur wird es rund um die Uhr versorgt mit Nahrungsstoffen. Ohne dafür einen Verdauungsprozess machen zu müssen. Der lebensnotwendige Sauerstoff gelangt über den gleichen Blutweg zum Baby. Auch hier funktioniert der Direktaustausch im Plazentagewebe, also im Kucheninnern. Weil in der Gegenrichtung auch Abfallstoffe des Babys über die Plazenta zur Mutter zurückgelangen, übernehmen dann ihre Organe wie Niere, Leber und Darm die Entsorgung. Hormone können in beide Richtungen befördert werden und bei Mutter oder Kind ihre Wirkung anbringen.

Bei diesem regen Hinundher sorgen eingebaute Filter für einen reibungslosen Ablauf. Spezifische Barrieren sollen das Kind so weit wie möglich vor Krankheitserregern oder anderen schädlichen Einflüssen abschirmen. Das von Plazenta und Eihäuten gemeinsam produzierte Fruchtwasser schützt das Kind vor Stössen und garantiert ein optimales Medium zum Wachsen und Ausreifen.

Erst wenn das Kind selbständig atmet, seinen Kreislauf angepasst und wirklich „auf der Welt ist“, dann sind die Aufgaben erfüllt und der Mutterkuchen löst sich als Nachgeburt von der Gebärmutter ab und wird ebenfalls geboren.

 

Wie sieht ein Mutterkuchen aus?

Wie der Name sagt, handelt es sich um einen runden, circa 20 cm grossen und 400-500g schweren Gewebe-Kuchen. Die Beschaffenheit und Dicke entspricht etwa einem Biscuit-Tortenboden und auf der einen Seite gibt es unregelmässige Unterteilungen und Erhebungen, vielleicht wäre ein dunkelroter Heferosenkuchen ein geeigneter Vergleich, um im Repertoire der Backwaren zu bleiben. Diese Fläche haftet an der Gebärmutterwand. Die dem Kind zugewandte Seite wird mit einer perlmutt-glänzenden Schicht überzogen, das sind die Eihäute, die drüber liegen. Die Nabelschnur kann in der Mitte oder seitlich in den Mutterkuchen einmünden.

Was mit dem Mutterkuchen anfangen?

Hoffentlich ist das Interesse am Mutterkuchen geweckt. Und vielleicht überlegen sich einige Mütter, diesen speziellen Plazenta-Kuchen nicht gleich nach der Geburt fortzuwerfen, sondern später im Wochenbett nochmals mit ihrer Hebamme anzuschauen. Dazu lässt sich der Mutterkuchen leicht im Gefrierfach lagern – in einem doppelten Plastiksack oder kältebeständigen Gefäss. Es wird hier auf diesem Blog in Zukunft weitere Tipps zum kreativen Umgang mit der Plazenta geben.

 

 

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